Corona-Krise: Janosch Sadowski von Kolibri Games im Interview


Wie die gesamte Wirtschaft wird auch die deutsche Entwicklerszene von der Corona-Krise getroffen. Geltende Ausgangsbeschränkungen müssen umgesetzt, Messeplanungen aufgrund zahlreicher Absagen und Verschiebungen angepasst werden.

Wir haben mit einigen Entwicklern über Auswirkungen und Strategien durch die Corona-Krise gesprochen. Heute im Interview: Janosch Sadowski, Gründer und Co-CEO von Kolibri Games in Berlin.

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Making Games: Wie schwer trifft euch die „Corona-Krise“ als Unternehmen und persönlich?
Janosch Sadowski: Verglichen mit den enormen wirtschaftlichen Schäden, die die Krise momentan anrichtet, kommen wir bisher glimpflich davon. Klar wurden auch wir vor einige Herausforderungen gestellt: Wie setzen wir möglichst schnell Home Office für die ganze Firma um? Wie können wir es dem Team ermöglichen, trotz der Umstellung weiterhin produktiv zu arbeiten? Wir behalten wir unsere Kultur bei? Wie arbeiten wir neue Kollegen ein? Unsere Teams in der Office Admin und der HR waren da schwer gefragt, um den Übergang so flüssig wie möglich zu gestalten. Aber machen wir uns nichts vor: Als Firma in einem überwiegend digitalen Sektor sind wir in der privilegierten Position, nicht vor existenzbedrohenden Problemen zu stehen. 

Es ist zudem natürlich traurig zu sehen, wie hart andere getroffen werden, gerade Startups aus unserem weiteren Umfeld, die die noch nicht finanziell gut abgesichert sind – und natürlich ist auch nicht zu übersehen, wie schwer es die ganzen kleinen Unternehmen haben, die man sonst nicht so auf dem Schirm hat, der Bäcker um die Ecke, der Personal Trainer, der Berater, das Lieblingsrestaurant.

 

Welche Messen, die jetzt abgesagt oder verschoben wurden, wolltet ihr besuchen und welche Konsequenz hat die Absage/Verschiebung konkret für euch?
Sicher, um Klassiker wie die GDC, den Hamburg Mobile Summit oder auch die Events im Rahmen der gamesweekberlin ist es schade. Hier gehen Chancen zum Netzwerken und für das Geschäft verloren – und Treffen mit alten Freunden fallen aus. Besonders leid tut es uns allerdings für all die kleinen Events und lokalen Initiativen die wir jetzt nicht mehr wie geplant unterstützen können – Game Jams an Unis, Hackathons, studentische Konferenzen, Messen und Wettbewerbe, die jetzt ausfallen oder verschoben werden müssen. Unser Recruiting Team, das sehr auf Event-Präsenz setzt, musste seine gesamte Strategie für das laufende Jahr überdenken.

 

Wie schwierig ist die Umsetzung des Homeoffice? Welche Einschränkungen spürt ihr im Tagesgeschäft?
Schon als sich die Lage in China sichtbar verschlechtert hat, haben wir damit begonnen, eine Task Force einzurichten, die für eventuelle Umstrukturierungen ins Home Office zuständig sein sollte. Wir mussten in kurzer Zeit herausfinden, wie wir all die internen Prozesse, die wir im Laufe der Jahre eingeführt hatten, aus dem Kolibri HQ auf die Wohnungen von über 100 Kolibris ausweiten konnten. 

Unser Ziel war, dass sich jeder Kolibri bei der Arbeit von zu Hause aus genauso wohl fühlen sollte wie im Büro. Zum Beispiel haben wir für jeden Kollegen ein “Home Office Improvement Budget” freigegeben und unser Office Management Team, die wahren Helden hier, haben einen Lieferwagen gemietet und haben damit einen Tag lang Büroausstattung quer durch Berlin transportiert.

Natürlich mussten wir als Team auch darauf achten, unsere Arbeitsabläufe anzupassen und sicherzustellen, dass alle unsere Projekte weiterhin vorankommen. Dinge und Verhaltensweisen, die zuvor eigentlich selbstverständlich waren, mussten jetzt extra priorisiert werden. Je größer die Distanz, desto schwerer die Kommunikation. Überkommunikation war deshalb noch nie so wichtig wie jetzt. Wir sind so proaktiv und reaktionsschnell wie nie, um allen Teammitgliedern zu helfen, gut informierte Entscheidungen zu treffen, ohne ständig nach aktuellen Entwicklungen fragen zu müssen.

Alles in allem konnten wir also durch umfassende Vorbereitung Komplikationen in der Umstellung vermeiden. Natürlich ist nicht alles einfach – vor allem im Recruiting legen wir viel Wert auf persönliche Interaktion mit unseren Bewerbern.

 

Seht ihr auch etwas Positives in der Krise, zum Beispiel steigende Verkaufszahlen?
Gemessen an dem Leid und dem Schaden, den die Krise seit Beginn des Jahres angerichtet hat, ist an ihr erstmal nichts Positives zu sehen. Toll finden wir allerdings, wie solidarisch sich die Games Branche aktuell zeigt. Schon kurz nachdem das wahre Ausmaß der Pandemie absehbar war, erklärten sich die ersten Unternehmen bereit dazu, denen zu helfen, die es jetzt am meisten nötig haben. Wir sind stolz, in einer Industrie zu arbeiten, die ihr Privileg anerkennt und in Zeiten der Not an andere zurückgibt.

 

Gibt es etwas, dass ihr anderen Spiele-Entwicklern in dieser schwierigen Zeit mit auf den Weg geben wollt?Vergesst nicht: gerade jetzt seid ihr nicht alleine! Als Branche rücken wir enger zusammen und helfen einander. Informiert euch bei euren Freunden und Kollegen so gut wie möglich, unser Branchenverband, der game, leistet hier gerade zum Beispiel hervorragende Arbeit. Meldet euch bei uns oder bei anderen Unternehmen, die euch näherstehen. Gerade jetzt sollten wir auf das Handeln der anderen schauen und aus deren Erfolgen und Fehlern lernen. 



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